Eine wendungs- und actionreiche Gaudi für Freunde des herzhaften Humors

Sie haben sich sicher schon oft gefragt, was passiert, wenn ein trinkfester Nerd im besten Alter von einer Afroskandinavierin in ein Haus voller wunderlicher Sinnesfreuden gelockt wird, den Zorn der mächtigsten und skrupellosesten Männer des Landes auf sich zieht und dann noch feststellen muss, dass er weit, weit entfernter von Zuhause ist als gedacht.

Eben - Deshalb entstand dieses Buch. 

Nebenbei lernen Sie übrigens, was ein Torrorojo ist und warum möglichst oft einer getrunken werden sollte. Man erfährt, dass sogar Betten hinterhältig sein können, und gewinnt die Erkenntnis, dass der Weltfrieden nicht wenig mit regelmäßigem Sex zu tun hat. 

Erleben Sie Verschwörungen, Verfolgungen und jede Menge Verwirrungen in einem Süddeutschland, das man so noch nicht erlebt hat.

 

»Schorsch und das Filzlaus-Komplott« ist keine Geschichte von der Stange. Wenn sie eine Hose wäre, fände man sie versteckt in einer dieser liebevoll eingerichteten Boutiquen, die in den Seitenstraßen der Fußgängerzonen leben. Sie würde auf Anhieb apfelpopomäßig passen, man hätte sie saftig heruntergesetzt und das Verkaufspersonal wäre derart knackig, dass einem in der langen Schlange an der Kasse die EC-PIN entfällt. 

 

Das Buch ist frech, fantastisch und saukomisch - genau so, wie man seinen Schorsch genießen sollte.

 

Online oder in der realen Welt - Überall wo's Bücher gibt!

 

Ein glitzekleines Versucherle


Nach fünf weiteren Runden stellen sich bei der reichsten und heißesten Frau der Welt die ersten Anzeichen eines formidablen Rausches ein. 

Sie hat einen drolligen Gesichtsausdruck angenommen, spielt mit ihren Locken und macht immer wieder einen Kussmund, wie um zu prüfen, ob ihre Lippen funktionieren. 

»Willsu tanzn?«, fragt sie plötzlich mit großen Augen und ist selbst von der Idee überrascht.

»Aber ja, das wäre jetzt genau das Richtige.« Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich vollkommen nüchtern bin, aber die Aussprache ist selbstredend noch einwandfrei. Mein Schenkel knallt beim Aufstehen an die Tischkante und alle Gläser, die Platte ist lückenlos damit bedeckt, fallen um. 

Dann waren es doch mehr als fünf Runden.

Scheherazade lacht laut und zeigt auf mich. »Du bissoch nich voll, wegen der paar Drinkse?«

»Pah, da muss schon was anderes kommen als euer Babywasser.« Dabei versuche ich, die Gläser aufrecht hinzustellen, was mir nicht gelingen will, weil immer wieder ein neues umkippt.

Scheherazade steht ächzend auf. Ihr Stuhl fällt um. 

»Hubbala.« Sie dreht sich schwankend um.

Sofort ist unsere Kellnerin da und stellt ihn wieder hin. »Nichts passiert, Fräulein von Hohenzarten.«

»Ich bring sie sicher nach draußen, vielen Dank. Sie sind eine sehr aufmerksame Serviermaid«, lobe ich mit perfekter Artikulisation.

Sie lächelt irritiert, nickt und sagt freundlich: »Ja, ja.«

Dann schiebt sie mich neben Scheherazade, damit die sich bei mir einhängen kann. So gebe ich ihr Halt und wir finden unseren Weg nach draußen, ohne besonders viele Tische anzurempeln. Die Gäste winken uns nett zum Abschied. Die Variante mit der Faust ist mir zwar neu, aber was weiß ich schon von dem Verein hier. Ich winke auch so. Was nun wieder die anderen dazu bewegt, enthusiastischer zu winken. Ich hör dann auf mit der Fuchtelei, weil so kommen wir ja nicht weiter.

Wir meistern anmutig die Rechtskurve, die uns durch die Galerie zu den Tanzlokalen führt. Der Weg dorthin ist beschwerlich. Wir müssen im Slalom gehen, um den Leuten auszuweichen, die es, warum auch immer, darauf abgesehen haben, uns den Weg zu verstellen. Scheherazade tut ihren Unmut darüber jedem lauthals kund und beschwert sich gleich noch bei der Empfangsdame des Tanzlokals, dass da draußen lauter »Blödiblöds« rumstolpern. Diese gibt ihr in vollem Umfang recht und führt uns in eine Sitznische direkt neben der Tanzfläche. You’re My Heart, You’re My Soul ertönt in einer deutschen Version und ich schäme mich, weil ich das erkenne.

»Oh, Bohlen.« Scheherazade versucht Headbanging, wobei ihre goldenen Locken vor und zurück schwingen. 

Mir fällt ein, dass Modern Talking damals im Osten sehr gefragt war. Ich glaube, das hat ja dann auch zum Niedergang der Sowjetunion geführt. Es erscheinen wieder zwei Schnäpse vor uns. Scheherazade muss das mit der Empfangsdame geregelt haben. So laut und mit so viel Falsett wie möglich den Refrain des Liedes grölend, stoßen wir an. Ich bin nicht stolz darauf.

Sie rutscht noch näher zu mir hin und brüllt mir ins Ohr: »Weissu, Sschorrrschs. Alle Welt beneidet uns Würnberger um alles Mögliche. Aber die Musik von Bohlen macht mich besonners stolz.«

»Nö.« Ich brülle auch. »Der ist kein Schwabe.«

»Unner hat so eine schöne hohe Stimme.«

»Das ist auch nicht Bohlen, der singt.« Mir fällt der Name des anderen nicht ein. Das ist wie mit dem Miami-Vice-Typ.

Scheherazade hat sich wieder aufgesetzt und sticht im Takt Löcher in die Luft. Bei Brother Louie hält es sie nicht mehr auf dem Platz. Dabei ist sie unglaublich schnell. Ich erzähle ihr noch, dass dem Hasen und Márie sowas von die Ärsche bluten, wenn ich sie mal mit ins Fump! bringe, da steht sie von einer Sekunde auf die andere mitten auf der Tanzfläche und winkt mir einladend zu. Der Mann, der an ihrer Stelle vor mir sitzt, sieht mich erschrocken an und ich senke mein Glas, das keinen Schnaps enthalten hat. 

»Entschuldigen Sie bitte vielmals. Aber der Tisch ist besetzt.« Ich winke Scheherazade, die mich energisch zu sich winkt.

»Bitte?« 

Klar, dass der Mann nichts versteht, die Musik ist auch saulaut hier. Ich winke ab und zwänge mich zwischen ihm und seiner vollbusigen und schimpfenden Begleiterin hervor. Sollen die doch mit dem Platz glücklich werden. Ich habe schon eine andere freie Nische entdeckt. Ich tanze fredastairmäßig den Weg zu Scheherazade rüber, die auf der vollen Tanzfläche im Takt zappelt und den Refrain von »Bruder Louie« intoniert. Mit einer astreinen Pirouette komme ich bei ihr an. 

Sie zieht mich zu sich herunter und brüllt in mein Ohr: »Was hassu aufm Klo so lange gemacht?«

Ich will sie fragen, wie sie darauf kommt, da wirft sie »Louie, Louie, Louie«-singend die Hände hoch und verliert das Gleichgewicht. Dabei stößt sie die Dame hinter ihr in die Arme ihres hünenhaften Partners. Sie hat sich gleich wieder gefangen und nichts von ihrem Rempler bemerkt. Mit ausdruckstanzartigen Armbewegungen hüpft sie auf und ab.

Der muskulöse Mann ist kein anderer als Zacharias. Ich winke ihm entschuldigend zu. Sein Gesicht strahlt nackte Panik aus. Er hilft der Frau sich aufzurichten und ich erkenne den Hinterkopf, über den sich die langen Haare wie Pech ergießen. Mein herkulischer Kollege redet auf sie ein, aber davon höre ich wegen der lauten Musik natürlich nichts. Sie dreht sich langsam um. Völlig unpassend zum Takt, wie ich finde. Scheherazade tanzt mit geschlossenen Augen weiter und hat keine Ahnung, dass Herta von Grantlersberg hinter ihr steht und versucht, mit einem Blick so spitzig wie ein Eiszapfen, ihren Hinterkopf zum Explodieren zu bringen. Die Leute um uns herum wissen gnädigerweise nicht, welches Unwetter sich in ihrer Mitte zusammenbraut. Sie tanzen sorglos wie die Lämmer vor der Schlachtbank. Nur Herta, Zacharias und ich bewegen uns nicht. Und als wäre das alles nicht schrecklich genug, geht das Fade-out von Brother Louie naht- und gnadenlos in die ersten Takte von Geronimos Cadillac über. Herta tippt Scheherazade mit dem Finger, den sie sicher gerne gegen ein Stilett eintauschen würde, auf die Schulter. Bevor diese sich schwankend umgedreht hat, bin ich schon an ihr vorbei und platziere mich neben die beiden. Zacharias steht auf der anderen Seite. Er hatte denselben Gedanken.

Meine Tanzpartnerin hat zu zappeln aufgehört und sieht zu Herta hinauf. Die schaut auf sie hinunter. 

Schwarzumrandete Augen weiten sich, der Mund formt ein verächtliches »Du«.

Scheherazade blickt erstaunt aber verschleiert hoch. Von ihren Lippen lese ich ein überrascht genervtes »Du?«.

Dann bemerkt Herta mich. Sie verengt ihre Lider zu waagrechten Schießscharten. Ich bekomme auch ein so böse gemeintes wie lautloses »Du« ab. 

Sie wendet sich wieder ihrer Intimfeindin zu. Die Körper der Frauen spannen sich an, um sich aufeinander zu stürzen.

Wir Hübschen stellen uns ihnen schnell in den Weg. 

Scheherazade presst sich gegen mich und versucht hinter mir, Herta mit den Händen zu erreichen. Sie brüllt wüste Beschimpfungen in mein Ohr, womit ich nicht gemeint sein kann, weil es mehrheitlich um weibliche Genitalien geht. Sie amüsiert sich dabei bestens. Nach jeder neuen fantasievollen Verwünschung lacht sie, von ihrer Kreativität selbst überrascht, auf.

»Komm her«, schreit sie und prustet laut in ihren nächsten Einfall hinein: »Ich reissir ne Arschbagge ab.« Ihre Arme greifen hinter mir ins Leere, aber sie rudert heftig mit ihnen herum. Jemand zieht mich fest an den Haaren. Mir schießen Tränen in die Augen. Die Ohren tun auch weh, weil Scheherazade meinen Kopf mit einer Flüstertüte verwechselt. Plötzlich brüllt sie triumphierend: »Ha, da hassu.« Das deutet darauf hin, dass sie einen Treffer gelandet hat. 

Es dauert eine Weile, bis ich sie soweit im Griff habe, dass ich sie wegtragen kann. So sehe ich natürlich nicht, was hinter mir passiert. Deshalb vertraue ich auf das Bollwerk namens Zacharias. Ich selbst hätte mit der größeren Herta sicher ein Problem und konzentriere mich auf die zappelnde Scheherazade. Kurz bevor ich es aus der Dangerzone geschafft habe, gräbt sich schmerzhaft die Spitze eines Schuhs in meine linke Hinterbacke. Ich schaffe es trotzdem, uns an den tanzenden Gästen vorbeizuschieben und wir fallen erschöpft auf die nächste freie Polsterbank.

»Ha, das war toll.« Scheherazade lacht vergnügt und schüttet sich das halbvolle Glas, das vor ihr steht, in den Mund. Dann verzieht sie mit vollen Wangen das Gesicht und spuckt alles wieder aus. »Bäh! Und das ist Wasser.« 

Herta und Zacharias sind zum Glück nicht zu sehen. Auch sonst deutet nichts mehr darauf hin, dass die Gäste hier einem brutalen Gemetzel nur um Haaresbreite entgangen sind. 

Ein Kellner dreht sich zu uns um, weil ihn etwas am Rücken getroffen hat. Zum Glück war Scheherazades Wurf nicht stark, sodass er erst nach demjenigen sucht, der ihn angetippt hat. Durch die laute Musik hat er das Zerschellen des Glases auf dem Boden vor ihm nicht gehört. Sein Blick fällt auf die fuchtelnde, reiche, heiße und betrunkene Frau neben mir. Ein Zeichen von ihr genügt, dass er mit einem bestätigenden Nicken enteilt.

»Wir tringn jetzt einen Absagger und dann spaßbummsu mir ’s Hirn raus, damidich die Schlambe schnell vergesse«, sagt sie mit erhobenem Zeigefinger. Mit der anderen Hand massiert sie mir den Schenkel. Dann packt sie mich am Hinterkopf und zieht mein Gesicht auf ihres. Die Koordination ihrer Zunge klappt beim Küssen besser als beim Reden. 

Wir lösen uns nur voneinander, weil der Kellner die Getränke bringt. Wir kippen den Schnaps weg, um gleich wieder übereinander herzufallen. Das Adrenalin, das durch die Beinahe-Katastrophe freigesetzt wurde, sorgt bei mir für einen klareren Kopf. 

Scheherazade reißt mich von unserer Bank hoch. Sie schwankt wie ein Wackelpudding. Trotzdem führt sie uns erfolgreich an den Leuten vorbei und wir sind bald wieder auf der Galerie. Den Weg zum Fahrstuhl schaffen wir ohne weitere Zwischenfälle und nicht besonders vielen Remplern.

In der Kabine herrscht dichtes Gedränge. 

Ich flüstere ihr leise ins Ohr: »Ich kann es kaum erwarten, dir dein Höschen auszuziehen.« 

Sie kichert und ruft laut: »Ach, Schorrsch. Ich trag doch keine Unnerwäsche.«

Ich kann sie nur mit Mühe davon abhalten, zum Beweis ihren Dirndlrock zwischen all den Leuten hochzuheben. Den restlichen Weg bringen wir mit kicherndem Fummeln unter Wand-Sträuchern und in Türnischen hinter uns.

Dann stehen wir endlich vor Scheherazades Bett. Das heißt, eigentlich stehe nur ich. Sie kniet vor mir und klappt meine Hose auf.

»Oh. So’n schöner Natursprilslbolsi.« Dann kippt sie auf die Seite und schläft mit dem Kopf auf ihrem Arm an der Matratze ein.

Ich blicke an mir runter und akzeptiere bedauernd, dass hier nichts mehr passiert. 

Seufzend klappe ich meine Hose zu und hebe Sleeping Beauty hoch.