Eine saukomische Geschichte mit Herz und jeder Menge Krawall

Schorsch muss erkennen, dass die Dinge in der Zukunft doch nicht so gemütlich für ihn laufen, wie er dachte. 

Die reichste und heißeste Frau der Welt hält ihn für einen liederlichen Schwindler, alte Feinde veranstalten jede Menge Firlefanz und überhaupt vermisst er seine Kumpels aus der Vergangenheit. 

Aber es kommt noch dicker: Die gesamte Württembergische Bumsspassbranche ist gefährdet und Schorschs Fähigkeiten sind begehrter denn je. Gleichzeitig haut ihn eine unerwartete Enthüllung aus den Sockenschuhen. So stolpert er, beherzt und ahnungslos wie immer, in einen Strudel aus skurrilen Abenteuern, schrägen Wendungen und schrecklichen Gegnern. 

 

Ulli Weckenmann, der Meister des feinsinnigen Holzhammer-Humors, führt uns diesmal noch tiefer in das Süddeutschland der Zukunft mit seinen verführerischen Fassaden und wonnigen Winkeln.

Erleben Sie die zweite Komödie mit Schorsch, der herrlichen Scheherazade, den Nubischen Drillingen sowie vielen neuen Mit- und Gegenspielern. 

Ein Buch randvoll mit unzüchtig-turbulenter Action, kindlesprengender Fantasie, fingernagelgefährdender Spannung und synapsenverknotenden Eigenschaftswörtern.

 

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Ein glitzekleines Versucherle


 

»Was ist das für ein bescheuertes Zeichen?«, brummt Waltraud eine halbe Stunde später in der Kantine der Wüpopo.

Vor ihr steht ein dampfender Lurchburger auf dem Tisch. Burger deutsch ausgesprochen. Ich habe mal einen probiert. Er schmeckt wie ein gebrauchtes Handtuch, dass man zwei Wochen lang in seiner Sporttasche vergessen hat.                                    

Irmtraud hat mich sofort, nach dem ich ihr meine Idee erklärt habe, zum Mittagessen mit ihren Schwestern eingeladen. Viele Kantinenbesucher werfen ihnen neugierige Blicke zu. An eineiige Drillinge hat man sich hier noch nicht gewöhnt.

»Ich kann das nicht, wie macht ihr das?« Edeltraud versucht vergebens, es mir nachzumachen.

Irmtraud und Waltraud haben es gut drauf. Sie zeigen sich gegenseitig ihre Erfolge.

»Ganz einfach«, beginne ich. 

Edeltraud schnaubt frustriert, weil es für sie eben nicht einfach ist. Solche Bemerkungen sind dann besonders willkommen. 

»Du spreizt deine Finger und legst den Kleinen an den Ringfinger und den Zeigefinger an den Mittelfinger. Mittel- und Ringfinger dürfen sich nicht berühren. Daumen auch abspreizen.« 

Ich zeige es ihr wieder langsam. »So.«

»Und wie heißt das noch mal?« Edeltraud schiebt die Zungenspitze aus den zusammengepressten Lippen.

»Das ist der Vulkaniergruß.« Ich hebe die Hand. »Lebt lange und in Frieden.«

»Hä?«

Ich winke ab. »Ja, das müsst ihr nicht sagen. Wurde sowieso nie korrekt übersetzt. Wenn wir uns begegnen, machen wir den Vulkaniergruß und wissen, dass wir wir sind.«

»Bescheuert«, knurrt Waltraud erneut, erhebt ihre Hand aber wie ein altgedienter Vulkanier. »Warum müssen wir das überhaupt machen?«

Irmtraud legt die Hand auf den Arm ihrer Schwester. »Walli, wir haben im Krankenhaus nicht den Angreifer vom Klettenberg getroffen.« 

Waltraud legt jetzt ihre andere Hand auf die von Irmtraud und fragt besorgt: »Und wen dann, Irmi?«

»Es war Chavéz. Er lebt.«

Die Flüche, die Waltraud daraufhin loslässt, bringen die Leute an den Nachbartischen dazu, ihr Essen seltsam anzusehen. 

Man muss dazu nämlich wissen, dass sie eine kurze Affäre mit Chavéz hatte. Der war damals im Rammlers Ruh nur als gutgebauter, aber debiler Hübscher Zacharias bekannt. Die Enthüllung, dass ihr Galan derjenige ist, der für die Herzschwäche ihrer Mutter verantwortlich ist, hat sie besonders hart getroffen. Sie hat schon damals anschaulich zu erklären vermocht, was sie mit seinen Geschlechtsteilen gerne tun würde, wenn man sie denn nur ließe. 

Jetzt spielt sie diese Möglichkeiten wieder durch. Leider nicht bloß in Gedanken und ich muss dem Drang nachgeben, meine Beine schützend übereinanderzuschlagen.

»Ist ja gut jetzt, Walli«, sagt Edeltraud, als eine junge Polizistin am Tisch neben uns zu würgen beginnt.

Waltraud verstummt, aber ihr Blick ist verkniffener als eine Zange, die in einen Schraubstock gespannt wird, der in einer Müllpresse steckt.

»Und das ist nicht alles«, sagt Irmtraud. »Tillmann der Türkise, ist wieder in der Gemarkung und arbeitet für Bonifaz von Grantlersberg.«

Beide Schwestern erstarren. 

Dann rucken synchron ihre Köpfe zu mir herum. 

Schnell mache ich den Vulkaniergruß und winke heftig. »Ich bin der Schorsch, ich bin der Schorsch.«

Sie entspannen sich, aber nur wenig. Waltrauds verschraubter Presszangenblick bleibt etwas länger an mir kleben. 

»Der Türkise?« Edeltraud schüttelt hastig den Kopf. »Das kann nicht sein, der ist tot.«

»Das konnte keiner beweisen.« Waltraud lässt von mir ab und wendet sich ihren Schwestern zu.

»Ihr kennt ihn also auch?«, frage ich.

»Kennen?« Edeltraud lacht unsicher auf. »Niemand kennt den Türkisen. Man kennt nur Geschichten über ihn.« 

Hektisch sieht sie sich um. 

Dann beugt sich vor und beginnt zu erzählen: 

»Manche sagen, Tillmann soll vor vielen Jahren Morty IV. getötet haben. Einen Kardashian, der unter einem krankhaften Verfolgungswahn litt. Er hat Unsummen in sein Sicherheitspersonal und die Systeme gesteckt. Die besten Leibwächter der Welt haben für ihn gearbeitet. Seinen Sicherheitschef warb er für ein gewaltiges Vermögen aus der Gemarkung ab. Horst Felsner war damals schon eine Legende und hatte viele Politiker und Konzernchefs beschützt, ohne je einen verloren zu haben.«

»Und wie ist der Türkise dann an Morty herangekommen?« Waltraud starrt ihre Schwester an und führt ihr Wasserglas zum Mund. Es verharrt kurz vor den Lippen.

Edeltraud schüttelt den Kopf, als ob sie es immer noch nicht glauben kann. »Er war der Sicherheitschef.« 

Waltraud macht große Augen und nimmt einen schnellen Schluck. 

Edeltraud nickt und fährt fort. »Er hatte Felsner lange Zeit vorher getötet und seine Identität angenommen. So konnte er eine Bombe unter einem Rednerpult platzieren. Eine zweifache Zwirbelzündung.« 

Irmtraud saugt die Luft ein. 

»Morty hatte keine Chance.«

Wir schweigen. 

Waltraud beißt nachdenklich von ihrem Lurchburger ab. 

Sie kaut lange. 

Dann erzählt sie ihre Geschichte: 

»Es heißt, dass der Türkise für das Massaker von Mexikanien verantwortlich ist. Als er mit seinen Männern damals in den Palast eindrang, hat nur er es lebend bis zu den Präsidentengemächern geschafft.« Sie sieht jeden von uns nacheinander an. »Beide Beine und beide Arme hatte er gebrochen. Er konnte nur noch zwei Finger bewegen.« Sie lässt ihre Hand wie eine Kobra hochschnellen. Zeige- und Mittelfinger zum Victoryzeichen ausgestreckt. 

Edeltraud zuckt zusammen. 

»Und nur mit diesen beiden Fingern hat er die gesamte Familie des Präsidenten massakriert.« Sie blickt auf ihren zerfleischten Lurchburger, aus dem zäh die Soße tropft. »Seitdem nennt man ihn El hermano del diablo mas perfido - Satans gemeinerer Bruder.«

Stille senkt sich über unseren Tisch, wie die Leichentücher der armen Seelen, die den Weg von Tillmann dem Türkisen pflastern.

Ich klatsche in die Hände und alle drei fahren fürchterlich zusammen. »Da habt ihrs. Der Typ ist ein Schuft vor dem Herrn und ihr wisst jetzt, warum ihr den Vulkaniergruß machen müsst.«

Sofort macht sich Edeltraud wieder daran, mit der Zungenspitze zwischen den Lippen ihre Finger in den Griff zu bekommen.